Sonntag, 14. November 2010

Alles lebt



Man stelle sich mal vor, wir hätten keine Sprache.
Wie würden wir uns bewegen innerhalb unserer Erlebnisse ohne das Ausdrucksmittel einer Sprache?
Wie würden Begegnungen verlaufen, wenn der erlebte Innenraum keinen Kanal hätte, um sich verständig mit-zu-teilen?
Würden wir platzen oder an uns selbst ersticken?
Wie würden Erlebnisse zu Erfahrungen werden?
Ginge es?

Blieben wir in uns allein mit uns, wären wir dann wirklich allein?
Könnte man ein Fortschreiten mit uns allein als Selbsterkenntnis bezeichnen?
Erlebtes erleben, erleiden, --- ?

Dann bilden wir uns Benennungen, vergeben sie, damit wir uns orientieren können, wenn wir uns mit-teilen, weil wir es wollen müssen, um mit dem klar-zu-kommen, was wir erleben.

Und dann form-ulieren wir uns eine Sprache.
Wenn ich andere Sprachen höre, japanisch oder chinesich z.B., dann wundere ich mich jedesmal, was sich alles verstehen lässt.

Ihre Kernpunkte sind dann die Begriffe, gebildete Objekte, so nennen wir dies und das verbinden wir damit.
Begriffe gliedern und unterscheiden, um einer Gesamtsicht willen, um eines Überblicks, einer Handhabbarkeit willen, wir sollten sie fast heilig hüten, denn sie haben die Kraft, uns aus dem "Irrgarten" zu führen in dem wir stecken.

Wir sind umgeben von lebendig webenden ... --- ... welche Sprache ist das? Wer oder was spricht da?

11 Kommentare:

Monika Maria Neumeyer hat gesagt…

Und das Wort ward irdischer Leib geworden und hat unter uns als Mensch gelebt ...



Die Trag-weite dieses Satzes ist be-ein-druckend.

ES braucht ein «Stamm», um sich aufzurichten ...


Guten Tag lieber Manfred
Ein-fältig
wird der Stamm aufgerichtet, um
viel-fältig
Früchte zu tragen ...

Kann ich die Frucht
des Ursprunges
erkennen?

Der Ursprung zweigt sich ab
und zeigt am Ende seine Frucht ...
Ich verleibe sie mir ein und erkenne sie wieder,
weil ICH ihre Frucht bin. Könnte «ich» sie sonst
erkennen?

ES lebt im Wwwwwwww-Ort und
schlägt
Wellen ....


Einen guten Tag wünsche ich Dir
«natur-verbunden»
bin ich ....
: )

manroe hat gesagt…

Dank Dir Monika -- Urgebärde Wort, ganz jenseits jeglichem Ort

...und in diesem Sinne war mir eine Unterscheidung von Mitgefühl und Mitleid auch so wichtig.

Der Wurm im Apfel frisst sich auf dem ihm kürzestmöglichen Weg durch das Fleisch zum Kern, der hat irgendwie was begriffen :))

Anonym hat gesagt…

Niemals reden? Das wär nichts für mich :-D
Nein wirklich, wie fühlen Tiere? Sie nehmen ganz natürlich an, der andere emfindet wie sie selbst. Deshalb sind sie alle irgendwie gleich, weil sie nciht wissen, wie individuell jedes von ihnen ist. Das wissen nur wir Menschen von ihnen.

manroe hat gesagt…

Liebe AuI,

... Du sollst auch gerne weiterreden, es war nur als eine kleine Meditation gedacht, um den Wert der Sprache ins Bewusstsein zu stellen und insbesondere deren "Mitglieder", die Begriffe intensiver schätzen zu lernen und sie von sich aus bei ihrem Namen zu nennen.

Annemarie hat gesagt…

Las gerade, dass man anfängt zu reden, wenn man aufhört mit den Gedanken im Einklang zu sein...

Was wäre denn, wenn man sich rein gedanklich verständigen könnte? Begriffe entstehen doch deshalb, weil man grobe Materie benennt, als gelte es den Untergang, wenn man es nicht tut.

Klar ist es wichtig, mit einander von denselben Dingen zu reden, weil sonst kein Austausch zustande kommt. Aber ich glaube, das meintest du nicht.

Einen schönen Blog hast du, lieber Manfred. Grüß dich an dieser Stelle mal herzlich.

Kerstin Zahariev.

Anonym hat gesagt…

Klar, liebe Annemarie,
man kann auch in denselben Gedanken leben. Das ist dann da, wo die Trennung in die einzelnen Körper noch nicht gegeben ist. Man kann auch den Gedanken eines anderen bewusst aufgreifen.

So haben wir beide z.B. zu gleicher Zeit an die Beschreibungen gedacht, und jetzt treffen wir uns hier.

Vielen lieben Dank Manfred, für die Mühe.

manroe hat gesagt…

Hohoho, freut mich sehr euch auch hier mal zu "sehen".

Ja, wie mein(t)e ich das. Ich habe zu beschreiben versucht, so Räume jenseits des Intellektuellen z.B., oder überhaupt das Phänomen Sprache, die der Mensch prägt aus seinen inneren Erlebnissen heraus, um sie "draussen" mit anderen zu teilen, damit dies dann wieder in einem seine Kreise schreibt, and so on und man das sich mal so richtig ins Bewusstsein bringt und schätzen lernt als guten Freund, der mir wirklich hilft.

Zumeist benutzt man die Sprache ja eigentlich nur, um sich aus-zu-drücken. Oder, man könnte auch sagen, bezeichnete ich dieses Ausdrücken als eine eher egoistisch gefärbte Art, dann einfach mal die andere Seite davon, um so auch einen förderlichen Einklang zu bekommen, von dem umfassenden dessen, was Sprache vermittelt.

Oder auch mal den Unterschied von Gedanke und Sprache ---

Anonym hat gesagt…

Manroe:
DU jedenfalls kämst ohne Sprache gar nicht aus, kleine Quasselstrippe. Stell dir mal vor, du wärst taub, dann müsste das auch gehen!

manroe hat gesagt…

Hallo AuI,

das mag wohl sein, deshalb wollte ich sie ja auch würdigen. Und wäre ich taub, ja das habe ich mir schon öfter mal vorgestellt, es aber nicht richtig hinbekommen ;) -- aber dafür haben wir ja jetzt auch solche blogs, da reicht es dann, wenn man sieht. ODER, man kann daran auch ablesen, an allem jetzt, wie umfassend Sprache eigentlich ist.

Anonym hat gesagt…

Es reicht ehrlich gesagt, nach einer schlaflosen Nacht einen Tinnitus zu haben oder sonst Burnout. Ich bekomme immer gern erklärt, was gerade vorgeht, schaue gern Bilder an mit klaren Farben (ohne Wischiwaschi) und fühle gern die frische Luft auf meiner Haut beim Spaziergang, ebenso schmecke ich gern naturbelassenes Essen aus wenigen frischen Zutaten, damit ich weiss was es ist.

Wenn einer noch jünger ist und nur ein bisschen schlecht hört, der hat das alles gar nicht. Aber hinter einer scheinbar stillen Persönlichkeit kann sich trotzdem ein quirliger Charakter verbergen.

manroe hat gesagt…

"...kann sich trotzdem ein quirliger Charakter verbergen."

Und jetzt stell Dir mal vor, Der hätte keine Sprache! ... keine innere Sprache! Die muss man erstmal finden, wirklich bemerken. Dann beträte man den Urbeginn der Freiheit, beschreibend zunächst und immer genauer darstellend, was man bemerkt, was man sieht, form-ulierend sich mit-teilend, weil man dann wächst im Mit-Ein-ander, um die Sprache zu finden, die wir alle verstehen. Musik und Rhythmus sind ihre Silben, Nachklang aus uralten Zeiten(?), aber auch Vorklang für Kommendes auf der Suche nach einer einenden Melodie.