Sonntag, 15. August 2010
Von Mensch zu Mensch
Vor so einigen Jahren habe ich geraume Zeit mehrere Stunden täglich klassische Musik mit meinem Recorder aufgenommen, direkt und per Zeitschaltuhr. Das ganze Spektrum von den Anfängen bis hin zu sogenannter moderner Musik. Im Hören dieser Musik ist mir erlebbar geworden, wie der Mensch die Musik immer mehr für sich ergriffen hat. In der ganz alten Musik ist der Mensch selbst eigentlich nicht vertreten, sie hatte mehr lobpreisenden Charakter des Göttlichen, dann zog sie immer mehr in ihn ein und der Mensch gestaltete sie immer mehr aus sich heraus selbst.
Steiner hat aus der Theosophie die Anthroposophie "gemacht", die Christengemeinschaft heisst es Menschenweihehandlung statt Gottesdienst. Der Zeitenlauf hat begonnen den Menschen direkt anzusprechen, die Zeit wartet darauf, mit dem Menschen selbst zu sprechen. Offensichtlich sieht sie in ihm die Möglichkeit, ja die Notwendigkeit einen solchen Kontakt geradezu zu fordern, inzwischen. "Ändert Euren Sinn"! Der Mensch ist gefragt und gefordert.
Der Mensch wird erwachsen, mündig, verantwortlich. Menschen sind es, die immer intensiver mit-ein-ander sich besprechen, mitteilen, austauschen müssen. Sie müssen sich bereit erklären immer offener und tranparenter für-ein-ander zu werden. Die Person Mensch muss tönen, "Rede oh Mensch und Du offenbarst durch Dich das Weltenwerden...".
Gehen wir aufeinander zu als Sich-Wahrnehmende, Sich-Fragende, Sich-Austauschende, so direkt wie möglich, ohne grosse Umwege über das teils so geliebte "eigene" Wissen, sich bemühen, eigene Worte zu finden, die im Stammeln sich gebären, um die Worte zu finden, die man in sich sich bewegen spürt. Das Ringen um die Worte der Erlösung, der Befreiung eigener Kräfte, das lichter werden im Suchen und Formulieren. Die Schatten in mir zeigen auf mein Licht, das uns alle nährt. Um diese Wege beschreiten zu lernen, gilt es, sie zunächst sehen und dann beschreiben zu lernen, ganz menschlich.
Samstag, 14. August 2010
Das Prinzip der Prinzipien
Lange, lange Zeiten hindurch bin ich damit beschäftigt meine Wohnstatt kennen zu lernen, aufzuräumen, zurecht zu rücken, auszuprobieren, stehen zu lassen, zu verwerfen.
Zur Nacht lege ich mich hin, schliesse die Augen und betrachte mein Werk und freue mich, wenn ich sagen kann, "...und es war gut so!" Ich verstehe so manche Worte immer besser, z.B. "Vorhaben", für einen nächsten Tag. Raum und Zeit bekommen eine lebendige Bedeutung, oder Bewegung in Raum und Zeit. Ich lerne mein Haus kennen, gestalte es...
Kreisläufe, ein schöner Begriff, oder "Wie im Kleinen so im Grossen". Neben all dem Tun in meinem Haus entdecke ich das Besinnen, es wandelt sich zum Be-Sinnen. Das Sinnen als eine Kraft, eine schöpferische Kraft mit der ich durch die Gänge meines Mobiliars schreite. Ich kann mich be-sinnen, aber auch das da draussen. Mein Radius weitet sich, erschaffen durch mein ordnendes Tun, mein Blick weitet sich und öffnet sich immer weiteren und tieferen Fragen.
Was tue ich hier eigentlich? Warum? Je mehr Ordnung, je mehr Übersicht. Je mehr Übersicht, desto mehr kann ich zusammenfassen, alles wird mir handhabbarer. Durchsicht, Einsicht, Umsicht, welch schöne Begriffe, wenn sie dann auch noch zu leben beginnen und mit mir Kontakt aufnehmen. Ich entdecke den Begriff Oberbegriff, eine Art Behältnis für meine Sammlungen, eine Art Fotoalbum, das ich sogar zuschlagen kann und nur zu öffnen brauche, wenn ich wieder eine Frage habe. Ich stelle es in mein Regal, neben andere Bücher -- und betrachte sie.
Ich habe meine Wohnung kennengelernt und habe sie im Blick, Ich. In meinem letzten Begriff, dem "Oberbegriff", entdecke ich das schlummernde Prinzip, das in ihm steckt, so eine Art Schweizer Taschenmesser, ich kann es auflappen und zuklappen, ich kann es anwenden, es hilft und dient mir. Ein Prinzip ist ein Gesetz, ein lebendiger Zusammenhang von sich gegenseitig bedingenden Abläufen und Zusammenhängen. Durchdringe ich ein Prinzip, eröffnet es mir schier unendliche Gestaltungsmöglichkeiten, je nach Prinzip.
Gibt es das Prinzip aller Prinzipien? Ein Prinzipienprinzip? Prinzipien sind durch sich selbst unvollkommen, ruhende Keime, wenngleich in ihren schlummernden Anlagen vollkommen, je nach Prinzip. Das Prinzip der Prinzipien interessiert mich. Einzelprinzipien sehe ich im Bilde wie farbige Kugeln, schillernde, ruhende Universen. Bringe ich Prinzipien zusammen, dann verbinden sie sich zu "Molekülen", zu kommunizierenden Verbindungen, bis hin zu Eigenbewegungen. Selbst wenn ich weiss was ich tue, so weiss ich dennoch nicht, was ich da tue, was dadurch geschieht, wenn ich sie zusammen bringe. Das Prinzip der Prinzipien wird mir zu meiner Gottesvorstellung.
Ich trete vor die Tür und sinne darüber nach, ob es was damit zu tun hat, wenn gesagt wird, "...im Urbeginne war das Wort ---". Wie lerne ich sprechen? Was sind Worte, was Buchstaben? Hilft mir jemand dabei? Muss ich das alles allein erlernen?
Freitag, 13. August 2010
Die zwei Wächter
Wenn man das, was man Gesinnung nennt, in sich betrachtet, kann man bemerken, dass es ein schweigsames Wesen zu sein scheint, das mir aber die Unterschiede dessen, was ich vorhabe zu tun oder glaube tun zu müssen sehr genau darstellt, mit einem zarten Verweis auf den, den wir Moral nennen. Es sind die zwei Wächter meiner Taten, bevor sie auf die Reise gehen.
Und wenn ich dann meine ein freier Mensch zu sein und tun und lassen kann was ich will, dann werden sie mich zwar nicht hindern, aber dennoch Zensuren verteilen, die wie ein Tattoo meinem Wesen mitgegeben werden. Und wenn ich dann irgendwann teilweise vergessenhabend in den Spiegel meiner Frage schaue, dann werde ich sie sehen, die Tattoos, manche zucken mit den Achseln, manche lächeln mir zustimmend zu, manche verweisen mich auf Ausgleich, allerdings drastisch zwingen werden sie mich nicht, aber meine Gesinnung wird sich ändern und ich mich mit ihr, einsteigend in die nächste Reise.
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